Mit Binsen einrichten, laufen und Whisky würzen

Ein neues Naturprodukt von Hiss Reet lädt zur Kreativität ein:
Mit Binsen einrichten, laufen und Whisky würzen

Die meisten Bundesbürger kannten diese bis zu 2 Meter hohen Stängelgewächse oft nur von Spaziergängen an Sümpfen oder Mooren, wussten vielleicht gerade noch, dass sie in Biokläranlagen Schadstoffe aus dem Wasser filtern oder den Gartenteich romantisch umkränzen können. Das neu aufkommende Interesse an einem ländlichen, ökologischen Einrichtungsstil und an rauchigen Whiskys hat dazu geführt, dass Binsen heute wieder ein (allerdings kaum in Bunden erhältliches) Trendmaterial sind. 

Binsenstühle: Symbiose von Kreativität und ländlicher Wohnkultur

Landlust hat auch in der Inneneinrichtung Konjunktur, und wer ältere Bauern oder Fischer befragt, stößt sofort auf die Binse, deren flexible Halme schon vor 4.000 Jahren als Flechtmaterial benutzt wurden. In fast jedem älteren Bauernhaus stehen sie, die traditionellen Flecht- und Binsenstühle: meist in schlichter Holzform, Lehne und Sitzfläche sind aus festem Binsengeflecht, das sich mit etwas Übung auch selbst herstellen lässt. Dazu wird das Material über Nacht in Wasser eingeweicht. Anschließend müssen zwei bis drei Binsen zu einem festen Band zusammengedreht werden. Für einen Binsenstuhl dreht man eine einzige lange Binsenschnur, die während des Flechtens auf Spannung gehalten werden muss. Nur dann wird die Sitzfläche oder Lehne fest und elastisch. Flechtmöbel sind robust und pflegeleicht. Die Binsenteile halten mindestens zwanzig Jahre.

Wo Binsenflechterei und Binsenschusterei Tradition hat

Das Binsenflechten ist allerdings eine Arbeit, die Kraft und Geduld erfordert. Zwei Gründe, warum viele Landstilfans ihre Stühle, Hocker, Kinderwiegen in professionellen Flechtbetrieben reparieren oder erstellen lassen. Nur noch wenige Traditionswerkstätten haben sich erhalten, so etwa Krügers Binsenflechterei in Ahlerstedt im Landkreis Harburg, die bereits um 1880 gegründet wurde oder die Wiechmann & Heidemann GbR in Ofen-Bad Zwischenahn, die in ihrer Flechterei Ammerländer Binsenstühle herstellt. Es gibt aber noch heute Menschen, die noch Binsenschuhe winden können, wie es die Großeltern früher getan haben. Wer etwa im dänischen Uggelhuse am Randers Fjord die alte Anlegestelle besucht, die früher Mittelpunkt der Stadt war, weil hier Fische, Schilf und Binsen ausgeladen wurden, trifft sie auf Schritt und Tritt: Binsenschuhe. Die Uggelhuser halten an ihrer alten Tradition fest, diese formschönen Treter aus dem Naturmaterial zu formen. Schon seit den 1860-iger Jahren ist die Produktion von Binsenschuhen im Ort eine wichtige Zusatzeinnahme. Die Frauen sorgten meist für das Flechten, die Männer nähten die Teile nach dem Fischfang zusammen. „Die geschicktesten Binsenschuster konnten wöchentlich sieben dutzend Schuhe an ihre Abnehmer liefern“, hieß es in der Ortschronik. 

Binsendesigns: der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt

Wer ältere Verwandte aus Ostpreußen hat, weiß: Hier wurden aus Binsen Reusen für den Fang von Krebsen und Fischen hergestellt. Oder allerhand Körbe, Untersetzer, Kästchen – das Naturmaterial setzt der Phantasie keine Grenzen. Das Mittelalter war eine der Hochzeiten der Flechterei, die sich rasch in Zünften organisierte: 1590 ist für München die erste Korbmacherzunft Deutschlands aktenkundig. Doch erst als 1845 die Zünfte aufgelöst und das Betreiben der Korbflechterei freigegeben wurde, nahm sie einen ungeahnten Aufschwung. Jugendstil – die Zeit um 1900 – war das Mekka jeglicher Arten von Flechtmöbeln in allen möglichen Floraldesigns. Manche Werkstätten beschäftigten bis zu 100 Arbeiter und zählten bis zu 30.000 Artikel in ihren Musterbüchern. Alte Einrichtungsbücher von Damals können eine schöne Inspirationsquelle für heutige Hobbyflechter sein. Wer tiefer in diese Kunst einsteigen möchte, kann das ebenfalls tun: Die staatliche Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung in Lichtenfels bietet eine dreijährige Ausbildung zu staatlich geprüften Flechtwerkgestaltern (drei Jahre) an. 

Binsen sorgen für den besonderen Whisky

Binsen sind auch ein interessantes Naturprodukt für Menschen, die Craft Whisky lieben und/oder ihn sogar selbst brennen möchten. Die deutsche Whiskeyherstellerszene ist fest in den Händen von 150 meist Klein- und Kleinstbrennereien, die das hochprozentige Getränk als Nischen- oder Nebengeschäft herstellen und mit speziellen Aromen um die Gunst des Verbrauchers rivalisieren. Binsen sind ein wichtiger Rohstoff bei der Befeuerung des Malzes.

Das Geschmacksgeheimnis aus dem Torffeuer

Der Whiskyrohstoff Malz wird in der Darre (schottisch: Kiln) meist über einem Torffeuer getrocknet. Das Torfaroma wird vom Malz aufgenommen und findet sich nach dem Brennen im fertigen Whisky wieder. Der Torf besteht bereits aus Pflanzenteilen (Binsen, Woll- und Riedgräser, Heidearten, Borstgras), es können aber durch Zugabe von weiteren botanischen Bestandteilen verfeinerte Geschmacksnuancen erzielt werden. So nutzen Highland Park Whiskys die Beimengung von Heidekraut bei der Befeuerung, aber auch Binsen sind möglich. So beliefert Hiss Reet u.a. eine britische Whiskybrennerei mit Binsen. Auch die Auswahl des Torfs spielt eine große Rolle. Das haben bereits die Pioniere der schottischen Whiskyhersteller genutzt: So ist der Torf aus den schottischen Lowlands weich, locker und brennt stark qualmend, während die abgestorbenen Pflanzenreste aus einem Moor an der Küste Salz-, Jod- und Tangaromen aufweisen. 

Pflanzenbestandteile für das „rauchige“ Aroma

Die genaue Komposition des Torffeuers für das Malz ist einer der wichtigsten Geschmacksträger bei der Whiskyherstellung: Es sorgt für das besondere „Etwas“ beim Trinken, nämlich den rauchig-torfigen Abklang. Das Torffeuer aromatisiert also das Malz mit Rauch- und Torfnoten natürlicher Herkunft. Früher wurde von den schottischen Whiskyherstellern ausschließlich Torf für die Trocknung verwendet, sehr rauchige Whiskys waren damals der Standard. Als Schottland im 19. Jahrhundert von Eisenbahnen erschlossen wurde, stiegen die bahnhofsnahen Destillen zunächst auf Kohle und Koks als Feuerung um. Sehr zum Entsetzen der Liebhaber traditioneller Whiskys: Sie vermissten das rauchige Aroma. Es hat in den vergangenen Jahrzehnten eine regelrechte Renaissance erlebt. Viele Whiskytrinker lieben heute gerade die rauchigen Single Malts.

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